Wenn der Marathon ein „Marathon“ wird

Mit zwei Teams ist Löwenfels am 22. April 2018 an den Teamrun Start des Zürich Marathons. Die Strecken 9 km, 11.7 km, 4 km und 17.5 km waren zu laufen. In dieser Reihenfolge mit vier Läufern. Das Wetter: sonniger konnte es nicht sein und die Temperaturen ungewohnt hoch. Die Teams parat das Rennen unter die Füsse zu nehmen. Um 08:37 Uhr fiel der Startschuss.

Was im Teamrun abging:
Team 1 –  Unser Motto: „Failure is not an option“

Penibles Teamtraining, Auskundschaften der Wechselzonen und eine auf das Team abgestimmte Strategie um die 42.195km zu packen sind alles Dinge, auf die wir verzichtet haben. Zu unserem Nachteil? Mitnichten.

Nach dem gemeinsamen Fotoshooting begaben sich Läufer 1 und 2 zum Start bzw. zur Wechselzone, während Läufer 3 und 4 mit dem ÖV dem Zürichsee entlang zu ihren Wechselzonen fuhren. Jetzt ist warten angesagt – könnte man sich denken. Läufer 1 und 2 gönnten den anderen beiden aber keine ruhige Minute. Nichts mit gemütlich am See ein Kaffee trinken. Die Läufer legten auf den ersten beiden Teilstrecken vor, wie Viktor Röthlin zu seinen besten Zeiten. Dies, obwohl zu dem Zeitpunkt die meisten unserer Läufer, gemäss „Activity Tracker“, das tägliche Schrittziel bereits erreicht haben. Aufgewärmt sind wir also.

Organisierte Wechselzonen

Die Stabsübergabe in den Wechselzonen funktioniert in dem Masse tadellos, so dass Läufer 4 – ohne zu laufen – bereits ins Schwitzen kommt. An Grossveranstaltungen, wie üblich, gibt es meistens einen Flaschenhals: die Toiletten. Nur der Aufmerksamkeit von Läufer 4 Team 2 ist es zu verdanken, dass ein stilles Örtchen gefunden wurde, das den Namen auch verdient.

Anschliessend war nervöses überprüfen der Datasport App und konzentriertes hinhören bei der Nummernverlesung des Speakers angesagt. Der Speaker las die Startnummer eines jeden Läufers vor, der den Checkpoint kurz vor der Wechselzone durchläuft. Dann die erlösende Durchsage. Läufer 4 begab sich zur Strecke und wartete auf die Übergabe durch Läufer 3. Fast 15 Minuten vor der geplanten Zeit. Läufer 3 traf völlig verschwitzt aber mit einem Lächeln auf dem Gesicht ein. Man konnte sehen: unter 100% zu geben ist keine Option.

Während Läufer 4 auf dem letzten Streckenabschnitt noch erfolgreich einige Plätze gutmachte, sah er unterwegs Läufer 3 von Team 2. „Hallo“! Und einige Minuten später auch Läufer 2 von Team 2. Mmh, wie konnte das sein? Musste Läufer 2 nicht an Läufer 3 übergeben? Wird hier mit gezinkten Karten gespielt? Die Auflösung zeigt Team 2 auf.

Läufer 4 lässt sich also von den vermeintlich taktischen Spielereien von Team 2 nicht beirren und läuft Kilometer um Kilometer. An den Verpflegungsständen ist definitiv Trinken angesagt. Auch Wasser über den Kopf, verhilft zu einer guten Abkühlung. Wäre da nicht einmal ein isotonisches Getränk anstatt Wasser im Becher gewesen, das sich Läufer 4 über den Kopf schüttete, würde dieser Abschnitt ohne Pointe dastehen.

300 Meter vor dem Ziel warteten bereits Läufer 1 und 2 auf den gemeinsamen Zieleinlauf. Läufer 3 fuhr noch im Zug zurück von der Wechselzone zum Zielgelände und verpasste somit den Zieleinlauf. Schade, ist ÖV nicht schneller.

Kurz nach dem Zieleinlauf traf sich das gesamte Team, damit auch Läufer 3 sich endlich die hochverdiente Medaille umhängen konnte.

Team 2 – Heute nennen wir ihn den „Wechselzonenschnelldurchläufer“.

Was soll denn schon schief gehen? Nichts! Und doch haben sich Läufer 1 und Läufer 2 für die Übergabe nicht gefunden. Somit entscheidet sich Läufer 1 spontan keine Zeit zu verlieren. Und er läuft, läuft und läuft – mit Zeitmesser und ohne Handy. Der heutigen Technik sei Dank. Läufer 2 ruft nun Läufer 3 im Wechsel 2 an. „Was soll ich tun?“ Läufer 3: „Check Sanität“. Läufer 2 von Team 1 ist auch da: „Ich check kurz Datasport“. Siehe da: Kilometer 10 war längst passiert. Läufer 3 an Läufer 2: „lauf los und versuch Läufer 1 einzuholen“. So kann es gehen in der ersten Wechselzone. So viele Läufer, kein Speaker und ein Durcheinander…

In der Wechselzone 2 – mittlerweile ziemlich leer – wartet Läufer 3 sehnsüchtig auf den Läufer – 1 oder doch 2? Die Spannung steigt. Endlich, wow, Läufer 1 kommt nach über 20 km beim Wechsel an. Etwas überhitzt, übergibt er den Zeitmesser. Chapeau, lauf mal 9 km bei vollem Tempo und hänge dann noch eine Zusatzschlaufe und 11.7 km an. Wenig später erreicht auch Läufer 2 den Wechsel. Läufer 3 bereits unterwegs zum Schlussläufer, ruft während dem Laufen den Schlussläufer an und erstattet Bericht. „Bin – jetzt – etwa – 2 Minuten – unterwegs.“ Schlussläufer: „Super, danke, dann stehe ich noch 20 Minuten in den Schatten“. Jeder Schatten auf dem Weg ist ein willkommenes Geschenk. Jedes Wasser, das von einem Gartenschlauch stammt, eine wunderbare Abkühlung.

Einzelläufer vs Team

Mittlerweile ist es 11:30 Uhr. Nach gut drei Stunden übernimmt der Schlussläufer den Zeitmesser. Seinen aller ersten Lauf. Die letzte Etappe mit 17.5 km auf heissem Asphalt läuft er locker. Ziemlich alleine auf der Strecke und mit Tunnelblick. Es kommt so weit, dass beim normalerweise vom Team gelaufenen Zieleinlauf, er den Turbo zündet. Er rennt. Er rennt! Es scheint, dass er wohl etwas zu langsam gelaufen ist, er hat noch Kapazität. Das Team läuft etwas verstört hinterher – schliesslich hat unser „Wechselzonenschnelldurchläufer“ über 20 km in den Beinen. Unsere Gedanken: „Jetzt ist die Hitze definitiv mit ihm durchgegangen.“ Und was sagt der Schlussläufer gleich im Ziel? „Ich brauch einfach nur Wasssser“. Aha!

Unvergesslich

Team 1 wartete eine Stunde bis Team 2 im Ziel eintraf. Ganze 4.5 Stunden dauerte der Marathon. Und beide Teams überglücklich und zufrieden, mit einer verdienten Medaille umgehängt. Jeder ein Gewinner. Alle gesund im Ziel, trotz des heissen Wetters. Es hat total Spass gemacht. Das Unbekannte, das Unwissen wie es weitergeht – das Mitfiebern mit den andern. Egal wie das Ziel erreicht wurde. Diese Team-Läufe  werden definitiv unvergesslich bleiben.

Informationen: www.zuerichmarathon.ch

Autoren: Benjamin Wyss, Schlussläufer Team 1 / Pilar Rodriguez, Läuferin 3 Team 2

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2018-07-03T11:26:16+02:00