In vier Sprints auf 5895 Meter über Meer

Ferienzeit ist Genusszeit. Jeder verbringt sie auf seine Weise. Michael Meyer vom Löwenfels «Team X» (interne IT) bestieg in seinen Ferien den Gipfel des höchsten Berges in Afrika, den Kilimanjaro. Der Weg zum Gipfel erinnert in etwa an agile Software Entwicklung.

Am Anfang stand die Vision: Einmal den höchsten Berg Afrikas besteigen, das wäre doch was. Und die Idee entsprang an einem gemütlichen Abend. Doch wie schafft man so was? Die Antwort liegt auf der Hand: In verschiedenen gut durchdachten und realistischen Schritten. Immer mit dem Willen den nächsten Schritt noch besser zu machen.

Fragen über Fragen

Gesagt, getan – es folgte die gezielte Planung: Bevor also der erste Schritt zum Gipfel unter die Füsse genommen werden konnte, war nebst der logistischen Organisation der Reise, das Wander-Training als Vorbereitung entscheidend. Fragen wie welche Kleiderkombination ist auf einem Marsch mit Aussentemperaturen von +30°C bis -10°C die Richtige? Oder welche Medikamente werden benötigt, falls Übelkeit, Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme auftreten, aufgrund der Höhe von knapp 6000 Metern und der körperlichen Herausforderung? Wie stellt man die physischen Voraussetzungen sicher? Welche Route zum Gipfel ist die schönste und erfolgversprechendste? All diese Fragen erinnerten an die Bewältigung eines agilen Softwareprojektes bei Löwenfels.

Nur wer entsprechend auf seine Aufgabe vorbereitet ist, darf überhaupt an den Start. Bei Löwenfels reichen gute Grundvoraussetzungen, verifiziert durch Assessments, nicht. Ein hochwertiges über mehrere Wochen dauerndes Onboarding im Team ist Standard. Das garantiert den Gesamterfolg.

In diesem Sinne nahmen wir einige Testwanderungen in Kauf und zwar bei möglichst schlechten Bedingungen. Vier Stunden Fussmarsch durch Regen und Schnee halfen sehr schnell festzustellen, ob Schuhe tauglich und Kleider wasserdicht sind. Ebenso führten wir Aufenthalte auf einer Höhe von 4000 Meter in den Schweizer Alpen durch. Die Steigerung der körperlichen Fitness war dabei ein angenehmer Nebeneffekt. Bergerfahrene Mediziner unterstützten uns, die richtigen Medikamente zusammenzustellen. Gespräche mit erfolgreichen «Kibo-Besteigern» Kibo – so nennen die Maasai den Kilimajaro – gaben Aufschluss über die passende Ausrüstung und die beste Route: Die «Machame» Route.

Sprint 1 – Erste Schritte in Subsahara Afrika

Maasai beim Gepäck-Wägen

Auf rund 1700 Metern über Meer (m. ü. M.) am «Machame Gate» mitten in Tansania treffen wir Peter und Reagan. Sie sind unsere Guides. Die Schuhe werden geschnürt und die letzten Emails und SMS verschickt. Danach sind wir offline. Los geht’s durch faszinierenden Regenwald bei ca. 30°C und Regenschauer. Während rund fünf Stunden steigen wir zum «Machame Camp» auf 3000 m. ü. M. Unsere Gruppe, bestehend aus fünf Personen, wird von 18 Maasai begleitet. Insgesamt tragen sie über eine halbe Tonne Ausrüstung. Unglaublich, was sie leisten.

Am Abend nach dem Essen gab es dann die erste «Retro»: Peter und Reagan wollen wissen: «Wie hast du dich gefühlt? War das Gewicht deines Gepäcks ok? Wie war das Tempo»? Wir tauschten uns gegenseitig aus, gaben uns Tipps. So gab es ein paar Massnahmen zu erledigen. Während die einen wärmere Kleidung bereit legten, prüften die anderen ihren Rucksackinhalt. Selbst die drei Liter Wasser, eine Pflichtration pro Tag, wurden gezielt reduziert. Jedes Gramm wird zur Hypothek.

Sprint 2 – Es wird spannend

Blick in den Urwald (Machame Camp)

Nach der «Retro» erfolgte das «Planning Meeting» des zweiten Tages: «Wir steigen zum «Shira Camp» auf, das auf 3800 m. ü. M. liegt. Der Weg ist kurz, es wird sehr steil. Eine 4- bis 5-stündige Wanderung bis wir oben sind. Tagwach ist um 6.30 Uhr. Besonders wichtig: «pole- pole». Will heissen: langsam, langsam. Sonst haben wir keine Chance».

Ab ins Bett. Nach einer ruhigen aber kühlen Nacht wird uns der «Wake up Tea» in’s Zelt serviert. Wir packen Schlafsack, Isomatte und Kleider zusammen und begeben uns zum Frühstückszelt. Auch dabei gilt übrigens «pole-pole». Nicht weil wir viel Zeit hätten, sondern weil wir uns sonst überanstrengen. Der Koch hat uns mit seinem «Assistant Cook» ein nahrhaftes Frühstück zubereitet. Die beiden Kellner servieren uns den kalorienreichen Topf mit «Porridge». Er ist gewöhnungsbedürftig und schmeckt nicht jedem.

Wir steigen durch Moorland steil auf. Die tröstenden Worte eines Mittstreiters, dass die Route mit dem Aufstieg von Alpnachstad auf den Pilatus vergleichbar sei, motivieren nicht sonderlich. Denn die Höhe über Meer macht definitiv zu schaffen. Ebenso die Tatsache, dass wir bereits einige Höhenmeter von Sprint 1 in den Beinen haben. Zudem wird es langsam kühl.

Fünf Stunden später

Karge Landschaft: Shira Camp

Endlich erreichen wir das «Shira Camp» und sind froh, denn einfach war der Aufstieg nicht. Ein Teilnehmer leidet unter Hypothermie. Die Übrigen sind zumindest nur müde. «Nichts Beunruhigendes» wie uns Peter versichert. Nach 30 Jahren am Berg weiss er Bescheid. Und er hat Recht. Nach kurzer Erholung im Schlafsack ist der Betroffene wieder so weit fit, dass wir eine Erkundungswanderung in der Umgebung machen können. Die Gegend ist absolut fantastisch. Im Rücken liegt uns Afrika zu Füssen. Vor uns ragt der Kilimanjaro mit seiner Schneekrone noch weit über uns in den Himmel.

Am Abend wieder die «Retro»: Die erfahrenen Guides geben uns Feedback, helfen uns erneut das Gewicht im Rucksack zu reduzieren. Und, schlussendlich begreift sogar das Hypothermie-Opfer, dass ein T-Shirt und kurze Hosen nicht die ideale Kleidung ist, um auf 4000 m. ü. M. zu wandern.

Sprint 3 – der Lackmustest

Die Guides Peter und Reagan machen im «Planning Meeting» von Anfang an klar: «Wer Sprint 3 übersteht, der hat eine grosse Chance bis zum Gipfel zu kommen. Wer Mühe bekundet, wird beim letzten Aufstieg nicht dabei sein. Der Marsch dauert rund acht Stunden. Es geht zum «Lava Tower» auf 4600 m. ü. M. Dann wieder runter auf 4100 m. ü. M. zum «Baranco Camp». Dort werden wir übernachten».

Los gehts zum Lava Tower

Nach einer kalten Nacht steigen wir durch alpine Wüste auf. Einmal mehr geht es einfach nur nach oben. Bei uns kommt die Frage auf: Wie kann es so lange nur bergauf gehen, irgendwann muss man doch mal oben ankommen? Schliesslich sind wir nun schon den dritten Tag unterwegs und immer noch geht es weiter hoch. Die Luft ist «dünn» und die Temperaturen langsam tief. Wir kommen nur im Schneckentempo voran. Pro Stunde legen wir kaum mehr als einen Kilometer zurück.

Nach vier Stunden erreichen wir den «Lava Tower». Alle fühlen sich gut und wir haben den Aufstieg ohne Probleme geschafft. Klar sind wir müde, aber wir wissen jetzt: Wir werden es packen! Nach einem ausgiebigen Lunch – man kann es kaum glauben, aber es gab so etwas wie Country Fries – steigen wir gemächlich zum «Baranco Camp» ab.

Vier Stunden später: Nach dem Hochgefühl der Dämpfer: Im «Baranco Camp» geht ein sehr, sehr kühler Wind. Es ist unter 0°C. Wir sind froh über die einmal mehr hervorragend zubereiteten Speisen unseres Kochs und etwas Warmes in den Magen zu bekommen.

Der Gipfel zum Greifen nah

Die «Retro» ergibt, dass alle grösste Chancen haben, es bis zum Gipfel zu schaffen. Unser Gepäck muss wiederum reduziert werden. Auch machen wir uns Gedanken, wie wir mit der Kälte umgehen. Sie ist eine Belastung. Und auch eine neue Perspektive: Als wir die Vision entwickelten den «Kibo» zu besteigen, sassen wir bei 20°C in der warmen Stube, nicht bei Minusgraden im Zelt. Während hier am Berg das Dinner mit Mütze, Handschuhen und Stirnlampe eingenommen wird, sassen wir bei der Planung jeweils vor einem kühlen Bier.

Sprint 4 – Der Gipfelsturm beginnt

Nach einer eiskalten Nacht ein kurzes «Planning Meeting»: Es gilt die «Breakfastwall» zu bewältigen. Wir werden aufgeklärt, dass dieser Aufstieg so steil ist, dass oben angekommen, die mit dem Frühstück aufgenommene Energie, bereits verbraucht ist. Danach gehe es gleich weiter auf 4600 m. ü. M. wo wir essen und einige Stunden schlafen können.

«Wir gehen mehrere Stunden bei Nacht: Ladet also die Batterien der Stirnlampen auf und zieht alles an, was ihr dabeihabt. Wenn ihr zu warm habt, dann zieht ihr etwas aus. Wenn einer jedoch kalt bekommt, kriegen wir ihn nie mehr warm!», so die letzte Order der Guides.

Breakfast Wall

Und los geht’s. Die Kletterpartie in der «Breakfastwall» ist ein beeindruckendes Erlebnis.

Auf schmalen Kanten geht es direkt nach oben. Ausrutschen ist nicht erlaubt, es hat weder Sicherungsseile noch Leitern zur Verfügung. Zum Glück kommen wir nach eineinhalb Stunden alle wohlbehalten oben an. Die restlichen rund sechs Stunden zum «Barafu Camp» sind bereits «Daily Business». Im Schneckentempo geht es Schritt für Schritt in Richtung Gipfel.

Kalt, dunkel, steil und anstrengend

Nach drei Stunden Schlaf im «Barafu Camp» und einem mitternächtlichen Frühstück nehmen wir den Weg zum Gipfel unter die Füsse. Es ist stockdunkle Nacht. Nach jeder Stunde gibt es eine Rast, die wir uns mit warmem Tee und Schokoriegel versüssen. Aber die Stopps sind kurz. Denn sobald man nicht mehr in Bewegung ist, wird es umgehend eiskalt.

Da und dort sieht man «Leuchtwürmer»: andere Gruppen, die auch auf den Gipfel unterwegs sind. So kämpft sich jeder den Berg hinauf. Man beginnt sich langsam zu fragen: Macht das eigentlich Spass, oder warum tue ich mir das an? Dann wie aus dem Nichts einer der stimmungsvollsten Momente der ganzen Tour: die Guides beginnen das Kilimanjaro Lied zu singen. Alle Gruppen stimmen ein. Es macht irgendwie doch Spass! Und jedem von uns wird auf diese Art wieder neue Energie für die restlichen Höhenmeter gespendet.

Einige Stunden später geht die Sonne über Afrika auf. Ein erhebender Moment. Er gibt erneut einen Energieschub. Nach insgesamt 8 Stunden: endlich, der Gipfel ist in Sicht.

Die Gefühle sind unbeschreiblich. Alle unserer Gruppe haben es geschafft. Einige haben gelitten. Sie haben kaum noch Kraft für ein Gipfelfoto. Und trotzdem: Wir stehen oben auf dem Dach Afrikas. Nach viereinhalb Tagen am Berg geniessen wir still unser Erfolgserlebnis.

Impressionen:

Wasserflaschen

Pro Wanderung: Wasser Pflichtkonsum für fünf Personen

Kurze Erholungspause in der packenden Wildnis des «Kibo»

Den «Kibo» im Rücken und die Gewessheit: wir schaffen das

Dünne Luft, karge Landschaft: Baranco Camp

Definition of Done: Aufziehen der Löwenfels Flagge auf 5895 m.ü.M.

„Definition of done“: Aufziehen der Löwenfels Flagge auf 5895 m.ü.M.

Michael Meyer

Autor: Michael Meyer, studiert Wirtschaftsinformatik
an der Universität Zürich und arbeitet Teilzeit im «Team X» bei Löwenfels.

2019-03-28T09:12:58+00:00