Route2China, Teil III: Welcome to Shanghai, Tag 1-5

Bericht von Elias Christen:

Etwas nervös war ich schon. Schliesslich flog ich noch nie so weit. Der Flug nach Shanghai verging nicht wie im Flug. Durch meine Verletzung (September Bericht) war es ziemlich unbequem und ans Schlafen konnte ich nicht mal denken. So verbrachte ich die Flugzeit mit Filme gucken. Aber nicht nur mir ging es so, auch meine Kollegen waren etwas aufgedreht.

Die Ankunft in Shanghai überraschte mich mit den krassen Sicherheitsmassnahmen. Fingerabdrücke, Fotos, weitere Scans, nochmals Fotos – ich bin nun definitiv in deren Datenbank.

Ein Car wartete bereits auf uns. Wir fuhren Richtung Stadt. Unsere neugierigen Blicke ergatterten beim ersten kleinen Stau die riesige Metropole „by night“. Auf dem Campus der Donghua University liegt unsere Unterkunft. Es ist ein Hotel und das Zimmer teile ich mit Alexander. Er kommt auch aus dem Kanton Luzern. Einmal im Hotel eingecheckt trafen wir uns zum Apéro. Und schon bald wurden wir mit einem chinesischen Würfelspiel konfrontiert. Und ein «Biertower» wurde uns gesponsert. Augen auf.

Am nächsten Morgen starteten wir mit einem „Street Breakfast“: es gab eine Art gefüllte Omelette «Jian Bing» und als Getränk ein würziges «Tea & Milk». Ich weiss zwar nicht, was die Füllung der Omelette war, aber es war lecker. Momentan wirkt die Sprache schon etwas einschränkend. Uns kommt es vor, dass 95% der Chinesen kein Wort Englisch sprechen. Wir verständigen uns mit Händen und Füssen – wobei dies sehr gut klappt. Wahrscheinlich werden wir beim Preis etwas abgezockt, aber was solls. Ich freue mich auf jeden Fall auf die Sprachlektionen und bin gespannt, ob wir es mit dem Bestellen von Essen einfacher haben.

Am Sonntag führte uns Ming Wang durch das riesige Universitäts-Gelände. Ming Wang ist gebürtige Chinesin und die Organisatorin dieses Projekts. Sie zeigte uns alle Räume, die wir benutzen dürfen sowie wo wir unsere Fitness trainieren oder die Wäsche waschen können.
In einem Raum stehen zum Beispiel reihenweise Ping-Pong-Tische bereit: Ausdauer.

Dann fuhren wir mit der Metro. Die Haltestellen und der Strassenplan sind nur auf Chinesisch. Da müssen wir unsere Augen offen halten und uns die Gegend einprägen. Wir sind zu einem grossen Einkaufszentrum gefahren. Ich darf nicht mit der Schweiz vergleichen: es ist einfach komplett anders, nämlich riesig. Weiter ging es zum Shanghai Bund. Das ist die lange Uferpromenade am Huangpu-Fluss gegenüber der Sonderwirtschaftszone Pudong. Der Tower ist mit seinen 632 Metern das zweithöchste Gebäude der Welt. Faszinierend.

Was mir aufgefallen ist, sind die sauberen Strassen in der Innenstadt. Ich spreche da nicht von der Luft. Aber für eine 15-Millionen-Stadt überrascht es mich sehr. Umso gespannter bin ich, ob es ausserhalb auch so aussieht.

Der Bunker

Am Montag haben wir mit der Arbeit gestartet. Wir sind für ein Projekt für die Firma Coderbunker zuständig. Ironischerweise arbeiten sie tatsächlich in einem Bunker, was durchaus speziell ist. Dort sind wir als Freelancer tätig. Die ersten Schritte des Projekts wurden uns vorgestellt, das Team haben wir kennengelernt und das Einarbeiten und die Systeminstallation folgten sogleich. Was etwas ungewöhnlich ist: der Teamleiter fehlt aus gesundheitlichen Gründen noch.

Projektarbeit

Beim Projekt an dem ich arbeite, geht es um eine Tablet-App. Mit der App werden Produkt-Werbefilme abgespielt. Die App ist für festinstallierte Tablets in den Läden. Ziel ist es den Werbefilm sicher zu machen, so dass Personen den Film nicht unterbrechen können. Oder wenn Wireless aussteigt, der Film nicht davon abhängig ist oder tangiert wird. Speziell ist noch die Gesichtserkennung.  Marketingtechnisch oder statistisch gesehen: die Gesichtserkennung dient, um die Anzahl Personen zu erheben, die den Film oder Teile davon anschauen.

Bereits nach zwei Tagen haben wir uns grösstenteils in die Codes eingearbeitet und gesehen, wie alles funktioniert. Wir starteten mit der Überarbeitung der vorhanden Codes: lagerten sie aus und löschen die, die nicht gebraucht werden. Cleanups. Wir sind also fleissig am Programmieren aber auch am Fehler beheben. Das Coole ist, wir konnten bereits am Mittwoch eine neue gewünschte Funktion implementieren.

Das Freelancer Feeling wurde uns sehr gut übermittelt. Wir sind mittendrin und rapportieren entsprechend unsere Arbeitszeit. Das Einteilen der Arbeitszeit ist uns überlassen. Gewisse feste Termine müssen wir einhalten, den Rest wie Starten, Pausen und Enden der Arbeit ist mit Eigenverantwortung verbunden. Wir arbeiten sehr selbständig. Am Ende muss der gegebene Auftrag erledigt sein. Heisst: die Planung unseres Produktes – was für den User am besten ist, welche Funktionen wann und wie implementiert werden – also von A bis Z konzipieren, durchdenken, damit dann alles sauber und kundenfreundlich funktioniert.

Tierisch unterwegs

Coderbunker hat einen zweiten Space. Diese Räumlichkeit haben wir uns angeschaut. Hier wird vor allem im elektronischen Bereich getüftelt. Also Technik für Elektroniker. Was ich noch nie gesehen habe ist: eine 3-D-Snake (Schlange). Das Spiel wird mit einem Würfel gesteuert. Die Schlange kann sich um alle Flächen herum bewegen. Bewältigt der Spieler die Stufe wird es schwieriger. Sobald die Schlange in sich geht, sich also verschlingt, hat der Spieler verloren.  Mich würde es schon interessieren, wie das 3-D in Zusammenhang mit der Elektronik programmiert wird.

Wer kein Fleisch mag, kann sich hier ausklinken. Beim Znacht probieren wir einiges aus und lassen uns jeweils überraschen. Von knusprigem Frosch zu geschnetzeltem Kuhmagen liegt alles drin. Ich weiss nicht immer, was ich kriege. Bei unserem Einkaufsbummel haben wir aber zum „Dessert“ noch etwas Schweizerisches gefunden: Ovomaltine. Ein Schweizer Produkt und erstaunlich günstig…sie schmeckt sogar, so wie sie sollte. So, wie sie halt mit Sojamilch schmeckt, etwas gewöhnungsbedürftig, die Ovaltine.

Nicht ganz billig ist die Weitsicht. Bei fantastischer Aussicht (Hochhaus) lassen wir den Tag mit exotischen Drinks ausklingen. Prost.

Bericht Route2China Teil I
Bericht Route2China Teil II
Bericht Route2China Teil IV
Bericht Route2China Teil V
Bericht Route2China Teil VI

Impressionen:

2018-11-27T10:19:38+02:00