Wenn der Saft einem zum Saft bringt.

Ein Trend: Fasten mit Saft. Letztes Jahr habe ich unsere interne Fasten-Saftwoche noch belächelt. Oder eher bewundert, dass unsere Jungs dies durchziehen? Ich liebe es zu essen. Auf feste Nahrung zu verzichten, flösst mir schon etwas Respekt ein. Was wohl eine Saftwoche für eine Wirkung auf mich hat?

Es ist das dritte Jahr. Nach der fünften Jahreszeit – der Luzerner Fasnacht – startet bei Löwenfels die Fastenzeit mit Saftwochen. Vier Mitarbeiter organisieren diese. Thomas Kayser übernimmt die Leitung. Im Januar werden wir über den Start und die Anmeldung informiert. Ich zögere zunächst und frage meine Arbeitskolleginnen. Motiviert melde ich mich an. Ich fasse es selber nicht.

Infos und Tipps

Wir sind zehn. Mehr als doppelt so viele wie letztes Jahr. Und weitere 29 Personen, Freunde, Partner, Verwandte lassen sich die Säfte schmecken. Na ja.

Je näher der Start rückt, füttert uns Thomas fleissig mit Inputs. Im Chat per Mobile-App mit Links zu Videos, Bücher, Rezepte – sie geben Ideen sowie wissenschaftliche Ergebnisse bekannt. Es starten nicht alle gleichzeitig. Die einen fasten 5 Tage, andere bis zu 14 Tagen. So wird gelitten oder motiviert und vieles kommentiert: „Mein Saft schmeckt unglaublich bitter“ kommt zur Antwort: „Orangen, Zitronen und co. immer Schälen 🙂 “.

Die Säfte bestehen aus Früchten und rohem Gemüse – keine Smoothies, keine Fertigsäfte, keine erhitzten Säfte. Rein und frisch gepresst soll er sein. Der Saft.

Leiden oder motiviert?

Thomas überrascht uns mit der News: „Löwenfels sponsert uns eine Saftmaschine“. Wow, damit haben wir echt nicht gerechnet. Danke für die tolle Unterstützung. Das motiviert.

Arbeitsbedingt steige ich eine Woche später ein, bin aber nicht alleine. Vorgängig fahre ich meinen Fleisch- und Kaffeekonsum runter und verzichte so gut es geht auf Süssigkeiten. Endlich ist es soweit. Ich will nicht leiden und habe mir einen Menu-Plan erstellt. Zum Frühstück, z‘Mittag und z’Nacht je ein Saft. Alle Farben und Geschmacksrichtungen (bitter, süss, sauer, umami) sind vorhanden. Schliesslich will ich keine Vitaminen oder Mineralien missen.

Das Fasten im Team ist einfacher. Untereinander tauschen wir uns über Verlauf, Fortschritt und Motivation aus. Rezepte werden verschickt. In unserer „Sky Lounge“-Küche entsaften wir unser Gemüse und die Früchte. „Darf ich deinen mal probieren?“ Das Auge wirkt nicht ganz überzeugt. Appetitlich sieht er nicht aus. Die Nase gerümpft. Vorsichtig einen kleinen Schluck: ein lächeln, ein nicken – „der ist gut“! Ich bin jeweils kreativ. Ein schönes Glas, Trinkhalme, Dekoration. Es wird geprostet, getrunken und im Chat gepostet.

Unser Andy Zimmermann, der letztes Jahr noch gelitten hat, zeigt es dieses Jahr uns allen: nach einer Woche Saftfasten hängt er eine Woche Heilfasten an, mit nur selbstgemachtem Bouillon, Tee und Wasser. Krass. Ihm geht’s aber wunderbar.

Rückblick der ersten Woche:  Starke Kopfschmerzen bis zu Übelkeit kamen vor. Bei den meisten war der schlimmste Tag, Tag zwei. Hunger, die Lust auf Süsses und auf richtiges Essen. Zwei aus unserem Team mussten wegen Schwindel und tiefem Blutdruck schnell zur Bouillondose greifen. Yeah, und so wird weiter gesaftet bis zum Schluss.

Bewegung kommt auf

Yoga, Krafttraining, Joggen, Velofahren, Walking oder auch Spaziergänge. Alles ist möglich – im Mass. Ich bin ein Bewegungsmensch. Meinen Tag starte ich mit 3dl warmem Ingwer-Zitronenwasser, 3dl Gerstengrassaft, ½ Stunde Training und dann lege ich los mit dem Frühstückssaft. Die Arbeit ruft. Pro Tag trinke ich mindestens 2,6 Liter Saft und 3 Liter Kräutertee. Auf Süsses habe ich absolut keine Lust. Kein Hungerloch in Sicht. Der Saft gibt genug her. Ich teile ihn mir ein. Drei bis vier Deziliter als Hauptmahlzeit. Den Rest verteile ich: pro Stunde einen Deziliter. Die Zwischenmahlzeiten sind ganz einfach: Kräutertee und Wasser.

Abnehmen ist ein schöner Nebeneffekt: anfangs, der Verlust von Wasser- und Muskelsubstanz. Oh weia! Und so frieren wir alle vor uns hin. Mittlerweile sind die Temperaturen auf weit unter null gefallen. Ich trotze den Minus-Temperaturen und kleide mich in Schichten ein. Auf dem Velo packe ich mich so warm ein, dass ich dummerweise schwitze. Diesen zusätzlichen Salzverlust wollte ich vermeiden. Also gibt’s eine Selleriestange mehr im Saft. Die Wolldecke ist im Büro mit dabei. Und so sitze ich also da – eingekuschelt. Frieren können die andern!

Mein Fazit

Ein gutes Gefühl. Mentale Stärke. Tag 1 war gewöhnungsbedürftig, da mein Mittagssaft etwas dünn ausfiel. Tag 2 ein wenig flau im Kopf, aber nicht anders als sonst bei Biese. Abends bin ich früh schon müde. Ich schlafe besser, tief und fest. Ab Tag 3 geht’s aufwärts: schneller aufnahmefähig. Körperlich und geistig fit. Fokussierter. Ein paar Speckröllchen weniger. Und leichter unterwegs. Im Saft.

Der Wiedereinstieg verläuft bei mir etwas harzig. Eigentlich will ich wieder alles essen, freue mich auf dies und das. Fleisch geht nicht, da kriege ich Magenschmerzen. Und alles andere: Ich brauche sehr viel mehr Zeit zum Essen, aber ich esse!

Sich im Alltag gesund und bewusst ernähren – ohne dabei auf etwas verzichten zu müssen – das ist meine Empfehlung. Aber das weiss ja bestimmt jeder.

Pilar Rodriguez, Mitarbeiterin Shared Services

grüner Saft
gelber Saft
roter Saft
2018-03-21T11:43:29+02:00