Route2China, Teil VI: ICT Projektwochen – Bye-bye Shanghai, Tag 14 bis zum Schluss

Bericht von Elias Christen:

Zeit um „Zàijiàn“ zu sagen. Die ICT Projektwochen in Shanghai sind vorbei. Unsere Projekte abgeschlossen. Drei Wochen in Shanghai, die uns einiges aufgezeigt haben: die Arbeit, Kultur, Sprache und das Leben.

Ist es nicht so, die letzte Woche, bevor man Ferien hat, kommt alles zusammen? Ferien muss man sich verdienen. Nur, Ferien haben wir ja noch nicht. In der Schweiz geht’s fliessend weiter. Aber arbeitstechnisch fühlte es sich genau so an. Vor unserer Abreise zurück in die Schweiz, soll noch alles erledigt sein. Langweilig wurde es uns nicht: Unsere zwei Projekte Tablet-App und die dazugehörige Web-Applikation haben uns gefordert. Das weitere zu Beginn angedachte Projekt, ein Werbefilm zu produzieren, lag definitiv nicht drin. Dafür hätte es ein zusätzliches Team gebraucht. So arbeiteten wir intensiv an der Tablet-App und Web-Applikation inklusive der Statistiken.

Kamera läuft

Die Tablet-App mit Gesichtserkennung war definitiv eine Herausforderung. Sobald die Kamera läuft, wird die Gesichtserkennung gespeichert. Die Tests waren schlussendlich spannend und lustig. Und mit der Zeit nervig. Wir deckten die Kamera manchmal mit einem Kleber ab, warteten und nahmen den Kleber nach ein paar Sekunden weg. So spielten wir einerseits jegliche Varianten vor dem Bildschirm durch und schauten, was die Statistik ausgab. Andererseits mussten wir uns eingestehen, dass das bestimmte Tablet nicht alles kann, was wir gerne hätten. Also kein „Rolls-Royce“ sondern „Mini“-Variante. Ein Laptop-Bildschirm ist nicht gleich ein Tablet und es gibt Tablets und Tablets. Zum Glück bleibt die Entwicklung nicht stehen und wir haben Arbeit.

Nun musste nur noch die Verbindung zu den Tablets einwandfrei funktionieren. Die gebaute Schnittstelle zwischen der Web-Applikation und Tablet-App, war insofern etwas kompliziert, weil wir noch keine Erfahrung damit hatten. Wir informierten uns im Internet, wie wir das bewältigen können. Und siehe da – nach einer Weile funktionierten auch diese Tests einwandfrei. Dann gings an das Dokumentieren unserer Arbeit. Schritt für Schritt, damit in Zukunft weitere Gadgets hinzugefügt werden können. Somit konnten wir am Schluss unserer Zeit unsere komplette Lösung dem Kunden präsentieren.

Der Einstieg bei CoderBunker erschien uns etwas schwierig. Der für uns ungewöhnliche Umgang und das Sprachverständnis hinderten uns jedoch nicht, die gestellten Anforderungen von Anfang bis zum Ende mit Erfolg zu erledigen. Der Kunde war zufrieden mit dem Resultat und hat sich für unsere Arbeit mit der Einladung zu einem japanischen Essen bedankt.

Verwöhnung mit Goodies

In unserer Freizeit konnten wir die für uns geschneiderten Anzüge anprobieren und abholen. Chic. Ich kann es kaum erwarten, diesen in der Schweiz anzuziehen… Für zu Hause kauften wir noch ein paar Präsente und diverses Süsses und Salziges für die Kollegen im Büro.

Nach gut zwei Wochen, buchten wir uns eine Massage: da wir Entwickler ja nicht wirklich aufrecht auf unseren Bürostühlen sitzen. Es war die ideale Auszeit. Sessel mit entsprechenden Tüchern und Kleidung warteten auf uns. Ein Fernseher lief zur Unterhaltung. Snacks und Tees für die kurzen Pausen gereicht. Ruhig ist es nicht, aber in 90 Minuten wurden Füsse, Beine und Rücken geknetet – Triggerpunkt um Triggerpunkt – autsch – danach waren wir aber voll entspannt und hundemüde.

Raus aus der Grossstadt

Für alle ICT-Lernenden stand am letzten Wochenende ein Ausflug bevor: zirka zwei Stunden ausserhalb von Shanghai in Hangzhou – Zhejiang führt der Schweizer Lucas Rondez die Firma Nihub Innovation Center. Er stellte uns sein Unternehmen vor: Rondez hilft Expats beim Fussfassen in China.

Auf dem Rückweg nach Shanghai hielten wir beim zen-buddhistischen Kloster dem Lingyin-Tempel. Die Tempelanlage ist mit einer Seilbahnfahrt erreichbar und wurde auf einer Höhe von 168m gebaut. Sehr eindrücklich. Der Glaube, die Gaben, die Natur. Es gibt Skulpturen, die in den Fels eingehauen sind und verschiedenste Gebets-Hallen. Bei einem weiteren Halt genossen wir den Westsee (UNESCO-Weltkulturerbe). Der See ist mit drei künstlichen Inseln auf denen Teiche, Teehäuser und Gartenanlagen liegen, ausgestattet.

Etwas Bauchweh bekam ich dann auch noch. Ob es die Luft oder von dem Essen stammte, weiss ich nicht. Ich musste auf jeden Fall einen Tag aussetzen und verpasste somit den Chinesisch Unterricht. Das erschwerte mir den Anschluss zu den weiteren Stunden, was für mich eindeutig sehr anstrengend war.

Die Schweiz rückt näher

Auch hatten wir die Gelegenheit, den Generalkonsul der Schweizer Botschaft kennen zu lernen. Er lud uns zu sich nach Hause ein. Dort verwöhnte er uns mit Spezialitäten aus der Schweizer Küche. Salat, Gemüse, «Zürigschnätzlets» und vieles mehr. Ich genoss es sehr, weil ich wieder mal mit Gabel und Messer speisen durfte.

Von der ICT Berufsbildung Zentralschweiz und von der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung des Kantons Luzern erhielten wir Besuch. Die verschiedenen Teams bereiteten Schluss-Präsentationen und Fotosessions vor und hielten Vorträge. So bekamen alle Teilnehmenden diverse Meinungen und viele Eindrücke zur Arbeit und zum Leben in Shanghai. Danach führten wir sehr gute Gespräche und diskutierten weiter über die drei Wochen. Erlebtes, Gutes und weniger Gutes.

Unser Abschlusstag

Von People’s Square zu Tanzshow bis Karaoke – das wird gelebt und ist ganz normal. Einerseits vermarkten Eltern ihre erwachsenen Kinder in Mitten eines Platzes. Der Heiratsmarkt. Regenschirme werden mit Plakaten ausgestattet. Bilder der Sprösslinge und Steckbriefe zieren an Wäscheleinen. Die Eltern sitzen auf Klappstühlen. Wer heiraten will, sucht sich da die passende Person. Es werden Gespräche geführt. Auf der anderen Seite wird ausgiebig gefeiert und da bleibt niemand auf dem Stuhl sitzen. Wir durften einer Chinesischen Tanzshow beiwohnen. Und da wird nicht nur geschaut. Da wird mitgetanzt.

Karaoke war dann das Highlight des Abends. Ich gebe zu, dass ich total begeistert davon bin. Eine Karaoke-Bar besteht aus verschiedenen Räumen mit eigenen Bars. Eine Gruppe bucht einen Raum und bleibt somit unter sich. Die Bartheke befindet sich in der Mitte des Raumes und die Leute stehen oder sitzen ringsherum. Es muss niemand auf die Bühne, das Mikrofon wird umher gereicht. Alle singen mit und die Stimmung ist locker.

Und zuletzt noch dies:

Es ist toll die Arbeitszustände, das Leben und die Kultur erlebt zu haben. Durch diesen Aufenthalt habe ich meine Fähigkeiten gesteigert: sei es mit einer mir komplett anderen Kultur zu kommunizieren oder den direkten Kontakt zum Kunde zu halten. Beides war neu für mich und hat mich gestärkt. Auch in so kurzer Zeit eine qualitativ hochwertige Aufgabe zu lösen und teilweise an das eigene Limit zu kommen, ohne aufzugeben. Wirklich zielorientiert. Das hat Spass gemacht. Und danach ist der Erfolg um so schöner. Mein Dank geht an alle beteiligten Unternehmen, die dies möglich gemacht haben. Bye-bye Shanghai.

Bericht Route2China Teil I
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Bericht Route2China Teil IV
Bericht Route2China Teil V

Impressionen:

2019-01-08T14:37:39+02:00