Brownbag-Session: Bitcoin – Chancen und Gefahren eines neuen Geldes

Das etwas andere Mittagessen findet bei einem Wissensaustausch statt: an der Brownbag-Session. Der Ausdruck stammt von der Zeit, als die Teilnehmenden das Mittagessen in braunen Papierverpackungen mitbrachten. An der Brownbag-Session bei Löwenfels stellt der Arbeitgeber die Infrastruktur und die Verpflegung zur Verfügung, der Mitarbeitende seine freie Zeit. Es ist eine Form der Ausbildung. Ein interessantes Thema wird den Angestellten vorgestellt und anschliessend diskutiert. Und dieses Mal heisst es: Bitcoin.

Bei Löwenfels kann jeder Mitarbeitende für seine Kollegen eine Brownbag-Session veranstalten. Er vermittelt an der Brownbag-Session das, was er an einem Spezialistenkurs oder einer Konferenz erlernt hat. Oder wenn er an einer neuen Technologie experimentiert oder Neues evaluiert hat. Er kann aber auch eine interessante Thematik, in die er sich privat eingearbeitet hat, seinen Kollegen präsentieren.

An der letzten Brownbag-Session wurde uns das Thema Bitcoin nähergebracht. Ein Thema, das umstritten ist. Und ein Thema, das gemäss Referent zu komplex ist, um es in einer Mittagspause abhandeln zu können. Deshalb wird es zu einem Abend-Event. Das Interesse bei Löwenfels-Mitarbeitenden ist gross und die Neugier grösser. Der Event wird an zwei Daten durchgeführt.

Referent Thomas Kayser startet die Session mit der Geschichte des Geldes. Wie und wann wurde erstmals gezahlt, gehandelt, und wer übernahm die Macht über das Geld? Was gibt dem Geld einen Wert? Ein toller Übergang zu einer Währung, die für die meisten ein grosses Fragezeichen darstellt. Thomas liefert den Teilnehmenden Antworten auf viele in Gedanken gestellten Fragen. Wer hat Bitcoin erfunden? Wer entwickelt es weiter? Warum brauchen wir ein neues Geldsystem? Braucht das Bitcoin Geldsystem wirklich so viel Energie? – Alles ist dabei. Die Teilnehmenden erhalten wertvolle Informationen in einer durchaus kurzweiligen Präsentation. Das umfangreiche Thema Bitcoin wird diskutiert.

Gibt es nun das perfekte Geld, Zahlungsmittel oder die perfekte Währung?

Eine Frage des Vertrauens. Mit all den vielen Möglichkeiten liegt der Entscheid oder die Antwort definitiv bei einem selbst: Bargeld, bargeldloses Zahlen mit Plastikkarte, elektronische Überweisungen oder Online-Banking. Das Zahlen mit Papiergeld und Münzen ist in manchen Ländern noch gang und gäbe. Kleine Ware wird mit Bargeld bezahlt. Und die Fälscher bringen Blüten in Umlauf. Plastikkarten werden gestohlen oder Computer gehackt. Was ist da schon sicher?

Hinzu kommt, dass das Sparkonto bald tot ist. Es gibt ja kaum noch Zinsen. Werden wir von den Banken dahin gepusht, Geld anzulegen, also in Wertpapiere und Immobilien zu investieren und mit Währungen zu spekulieren, um den Wert unseres Geldes über die Zeit zu erhalten? Wer bestimmt schlussendlich über unser Geld? Und was ist, wenn eine Bank zusammenbricht, der Staat sich verspekuliert oder wir das Geld einfach so verlieren? Ist Bitcoin vielleicht die Lösung all dieser Probleme, weil Bitcoin die Macht über das Geld von den Staaten und Banken wegnimmt und sie den Bürgern zurückgibt?

Bitcoin – eine deflationäre Währung

Während die Zentralbanken über die Geldmengen bestimmen, gibt es im Bitcoin-Ökosystem keine vergleichbare Autorität. Bei der Ausschüttung orientierte sich Bitcoin am Edelmetall Gold, das eine endliche Ressource auf der Erde ist. Die maximale Geldmenge von knapp 21 Millionen Bitcoin ist demzufolge im Bitcoin-Protokoll festgelegt. Die Anzahl an Bitcoin ist somit begrenzt und deshalb ist Bitcoin eine deflationäre Währung. Deflation bedeutet, dass die Kaufkraft der einzelnen Geldeinheit über die Zeit zunimmt. Der Preis ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Das Angebot ist begrenzt, die Nachfrage steigt stetig. Die große Frage lautet jedoch: Was treibt die Nachfrage nach Bitcoin? Denn mit Bitcoin lässt sich noch fast nirgendwo bezahlen. Da gibt es verschiedene Meinungen: Spekulation, Idealismus, Widerstand, der Glaube oder die Hoffnung, dass sich Bitcoin in welcher Form auch immer durchsetzen wird etc. Darüber lässt sich nur… spekulieren.

Wie sicher sind Bitcoin-Transaktionen?

Die Transaktionen von Bitcoin werden mit der Blockchain-Technologie festgehalten. Transparent für jedermann und dennoch anonym. Und sicher. Die Blockchain-Technologie ist aber nicht per se sicher. Erst das weltweite und verteilte «Mining» bei Bitcoin macht diese Blockchain sicher. Mining ist ein Prozess zur Konsensfindung. In diesem Prozess wird eindeutig und final geklärt, wenn widersprüchliche Transaktionen bestehen. Also wenn z. B. jemand dasselbe Geld nicht nur an A, sondern auch an B sendet. Das Problem nennt sich «Double-Spending», ein seit Jahrzehnten bekanntes und heiss diskutiertes Problem in einem Geldsystem, für das es keine zentrale Clearingstelle geben soll. Bitcoin ist es als Erstes gelungen, dieses Problem zu lösen.

Die Lösung, die Bitcoin 2008 publizierte – das weltweite und verteilte Mining – war so unkonventionell, dass dem publizierten Whitepaper anfangs nur wenig Beachtung geschenkt wurde. Dass es funktioniert, beweist Bitcoin nun bereits seit 10 Jahren. Bitcoin läuft und läuft und läuft. Ohne Probleme – ohne Zwischenfälle. Ein Angreifer, der eine Double-Spending-Attacke fahren möchte, müsste mindestens die Hälfte des weltweiten Mining-Aufwandes betreiben, das bei der heutigen Mining-Power schlicht undenkbar scheint. Deshalb können Bitcoin-Transaktionen heute als sicher bezeichnet werden.

Bitcoin ein Stromfresser?

Viel Mining bedeutet auch viel Energieverbrauch. Denn damit der Miner einen Block mit Transaktionen der Blockchain hinzufügen darf, muss er einen Arbeitsnachweis vorweisen. Dieser Arbeitsbeweis, konkret das Lösen einer mathematischen Aufgabe, welche nur durch Ausprobieren gelöst werden kann, kann der Miner nur durch Einsatz spezialisierter Hardware und viel Energie erbringen. Das ist Mining. Heute dominieren professionelle Betreiber von Serverfarmen das Geschäft. Hundertausende speziell für diesen Einsatz entwickelte Hochleistungsprozessoren werden dafür eingesetzt. Pro Jahr verbraucht dieser Konsensfindungsprozess von Bitcoin Total etwa 67 Terawattstunden. Das ist etwa so viel Strom, wie die ganze Schweizer Volkswirtschaft benötigt: 0,3 Prozent des weltweiten Konsums.

Viel Aufwand für den Betrieb dieses Geldsystems, das dadurch aber ohne zentrale Stelle auskommt. Ohne jemandem, der befiehlt und entscheidet. Ohne jemandem, dem vertraut werden muss. Ob all das der Aufwand wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei Bitcoin muss ja niemand mitmachen. Aber jeder kann.

Energie wird viel verbraucht, doch wie wird sie gewonnen? Ein gutes Beispiel ist eine grüne Bitcoin-Mining-Farm in Norwegen, die aus Überkapazitäten der lokalen Wasserkraftwerke den Strombedarf deckt. Auch Island ist sehr beliebt. Denn der Strom besteht aus fast 100 Prozent erneuerbaren Energien. Generell ist Strom von erneuerbaren Quellen beliebt für das Bitcoin-Mining (ca. ¾). Dies deshalb, weil die Strompreise in der Regel dort am günstigsten sind, wo Strom im Überfluss vorhanden ist. Und das ist bei Strom aus erneuerbaren Quellen weitgehend der Fall.

Verliere dein Portemonnaie und alles ist weg

Genauso wie dein physisches Portemonnaie, gibt es das Wallet bei Bitcoin. Irgendwo muss das Geld schliesslich aufbewahrt werden. Es gibt verschiedene Wallets: Paper-, Software- und Hardware-Wallets. Der Begriff «Wallet» ist aber irreführend, denn Bitcoin liegt nicht wirklich in der Wallet. Bitcoin liegt immer auf der Blockchain und verlässt diese auch nie. Das Wallet enthält lediglich den Schlüssel, um Bitcoin zu bewegen, also um Transaktionen zu erstellen (resp. Transaktionen zu signieren). Ohne diesen Schlüssel sind alle Bitcoins auf dieser Adresse verloren. Also unbedingt sicher aufbewahren. Bei Bitcoin ist man seine eigene Bank. Und ohne Supportnummer, die angerufen werden kann.

Die Teilnehmenden dieser Brownbag-Session haben von Thomas Kayser ganz viele neue Erkenntnisse über Bitcoin gewonnen. Es kann lange darüber diskutiert, die Vor- und Nachteile hinterfragt werden. Die einen sind begeistert, die andern immer noch skeptisch. Doch warum nicht die Chance packen und um eine Erfahrung reicher werden, indem man sich ein Wallet installiert und sich ein wenig Bitcoin kauft? Für sich selbst, zum Ausprobieren, zum Ausgeben oder als Anlage. Oder schenke jemandem Bitcoin zur Geburt, zum Diplom, zur Heirat oder einfach so. Und vielleicht wird der eine oder andere überrascht. Wer weiss, was die Zukunft bringt.

Buch-Empfehlungen:

  • «The Bitcoin Standard», Saifedean Ammous
  • «Mastering Bitcoin, Programming the open Blockchain», Andreas M. Antonopoulos
  • bitcoin «Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes», Christoph Bergmann

Weitere Brown Bag Sessions: Dependent Graph Releaser

2019-07-30T09:18:10+01:00